Gstettn, Wiesen, Villen – ein Währinger Stadtspaziergang

Kreuzwiese am Schafberg in Wien.

Diese kleine Stadtwanderung führt von Glanzing über den Michaelerwald zum Schafberg, der höchsten Erhebung Währings, nach Alt-Gersthof und zur Windmühlhöhe. Für alle, die gerne Häuser schauen und unbekanntere Orte in der großen Stadt entdecken möchten, bietet diese Runde einige Highlights.

Von Döbling nach Währing

Mit dem 35A (aka Salmannsdorfer) fahre ich bis zur Strehlgasse. Im Gegensatz zur sonst schon sehr verbauten Döblinger Hauptverkehrsader, der Krottenbachstraße, ist in diesem kurzen Gässchen die Zeit ein wenig stehen geblieben. Über alte Pflastersteine und neben einer richtig schönen Gstettn gehe ich bergauf Richtung Neustifter Friedhof. Werfe einen wehmütigen Blick über den Gartenzaun eines der Häuser, früher war hier der Heurigen der Familie Nierscher.

Haltestelle Strehlgasse, Strehlgasse,Gstettn. Fotos Veronika Schöll

Weiter wandere ich oberhalb des Neustifter Friedhofs über die Pötzleinsdorfer Höhe dem Michaelerwald entgegen. Auf der linken Straßenseite schaue ich mir gerne die schönen alten Villen an. Nun auf einem Forstweg weiter bis zum Wasserturm Michaelerberg. Seit einigen Jahren ist dieser alte Wasserspeicher nicht mehr in Betrieb. Mein Weiterweg führt auch am neu gebauten, gleich dahinter, vorbei.

Wasserturm Michaelerberg, Foto Veronika Schöll
Wasserturm Michaelerberg, Foto Veronika Schöll

Anschließend nach links bergab zum oberen Ende des Pötzleinsdorfer Schlossparks, meinem Lieblingspark (neben dem Augarten auf Platz 2). Nicht in den Park sondern im Wald am oberhalb des Zauns entlang Richtung Schafberg. Bei der Kreuzwiese entschließe ich mich, einen Abstecher zum Schafberg zu machen – mal sehen ob ich den Gipfel finde – statt gleich die Kreuzwiese hinunter zur Josef-Redl-Gasse zu gehen.

Im Michaeler Wald. Foto Veronika Schöll
Im Michaeler Wald. Foto Veronika Schöll
Entlang des Pötzleinsdorfer Schlossparks. Foto Veronika Schöll
Entlang des Pötzleinsdorfer Schlossparks. Foto Veronika Schöll

Grenzwächter Schafberg

Also geradeaus weiter über die Ladenburghöhe wieder in den Wald – Achtung hier gibts eine sehr dichtes Wegenetz – mit dem Handy navigiere ich mich auf den Schafberg Gipfel. Statt eines Gipfelkreuzes (in Wien eh unüblich) finde ich einen Markierungspunkt und zwei Holzpflöcke, die ich für die höchste Stelle des Schafbergs halte.

Am Schafberg zwischen Hernals und Währing. Foto Veronika Schöll
Am Schafberg zwischen Hernals und Währing. Foto Veronika Schöll

Nach diesem Gipfelsieg auf einem anderen Weglein retour und über eine weitere große Wiese. Weils schön ist auf der Wiese und die Aussicht so prächtig, geh ich die ganze Wiese aus bis ans Ende und wieder zurück. Muss man aber nicht.

Wilde Wiese am Schafberg. Foto Veronika Schöll
Wilde Wiese am Schafberg. Foto Veronika Schöll
Wilde Wiese am Schafberg. Foto Veronika Schöll

Hernals

Schließlich erreiche ich auch so die Josef-Redl-Gasse und diese bringt mich an einen Ort wo ich als Kind und Jugendliche viele schöne Sommertage verbracht habe: Das Schafbergbad, mit toller Aussicht, der längsten Wasserrutsche Wiens im quietschig gelbem 70er Design! Ende September ist allerdings schon Badeschluss. Der Eispavillon hat aber noch offen.

Schafbergbad. Foto Veronika Schöll
Schafbergbad. Foto Veronika Schöll

Und wenn man die Czartoryskigasse hinunterwandelt erreicht man bald das gastliche Schutzhaus am Schafberg, das zur Rast einlädt. Zumindest Mittwoch bis Sonntag. Im durch Kastanienbäume beschatteten Gastgarten lass ich mir ein Schladminger schmecken, und zwar NUR weil ich es so witzig finde, am Schafberg bei einem Schladminger Bier zu sitzen und das in Wien.

Im Cottage Viertel (oder auch in der Kotääsch)

Mit einem kleine Dampferl gehts weiter entlang der Czartoryskigasse bis zum Wasserspeicher Schafberg und Gersthofer Friedhof. Dazwischen gibt es einen Fußweg der in die Möhnergasse mündet. Diese bringt mich zur Herbeckstraße, welche ich überquere. Vorbei an der herrlichen Gastwirtschaft „Herbeck“ und an wunderschönen Stadthäusern mit bunten Fassaden durch die Scheibenberggasse.

Wasserspeicher Schafberg, Foto Veronika Schöll
Wasserspeicher Schafberg, Foto Veronika Schöll
Fussweg zur Möhnergasse. Foto Veronika Schöll
Fussweg zur Möhnergasse. Foto Veronika Schöll

Wir befinden uns schon mitten im Cottageviertel. Charakteristisch die vielen Gründerzeithäuser und noblen Villen in den ruhigen Gassen mit vielen Bäumen und Grünflächen, als Vorbild dienten englische Landhäuser. In der zweiten Hälfte des Neunzehnten Jahrhunderts gründeten Eduard Kral und Heinrich von Ferstel den Wiener Cottage Verein, der auf dem unverbauten Gebiet zwischen Döbling und Währing den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern mit umliegenden Gärten plante. 

Scheibenberggasse. Foto Veronika Schöll
Scheibenberggasse. Foto Veronika Schöll

Auf der linken Straßenseite der Scheibenbergstraße lädt das Café Mayer zur Jause ein. Wers erkennt sollte mal reinschauen, alle anderen auch :-).

TV-Serien Star Café Mayer. Foto Veronika Schöll
TV-Serien Star Café Mayer. Foto Veronika Schöll

Nächstes architektonisches Highlight ist die Dürwaringbrücke, die sich über die Scheibenbergstraße spannt. Oben führt die Bastiengasse drüber, die ist vielen Wiener:innen ein Begriff, befand sich doch hier die Semmelweissklinik. Dort erblickten viele von uns das Licht der Welt. Ich auch. Die Klinik wurde 2019 geschlossen. In den verschiedenen Gebäuden befindet sich aktuell eine Schule und Kunsträume.

Auf der Düwaringbrücke. Foto Veronika Schöll
Auf der Düwaringbrücke. Foto Veronika Schöll

Die Scheibenberggasse führt zur Gersthoferstraße. Wer genug hat, kann sich gleich bei der Haltestelle Scheibenbergstraße in den 41er setzen. Ich wandere noch ein Stück weiter. Dafür überquere ich die Gersthoferstraße, wende mich nach links und gehe dann rechter Hand das steile Ludwiggasserl hinauf. Auch hier interessante Häuser und Villen. Ganz oben, Ecke Wilbrandtgasse, einer meiner absoluten Favoriten, wird gerade aufwendig saniert.

Semmelweisklinik und Alt-Gersthof. Foto Veronika Schöll

Windmühlhöhe, Villa Rezek und Genossenschaftssiedlung Glanzing

Oben angelangt über die Wilbrandtgasse auf die Windmühlhöhe. Von dort eröffnet sich wieder ein schöner Blick über Wien. In der Wilbrandtgasse befindet sich ein ganz besonderes Haus: Das Glashaus (Architekt Hans Glas) oder auch Villa Rezek. Das fantastische, 1933 im Stil der Moderne erbaute Haus, wurde kürzlich total saniert und unter Denkmalschutz gestellt. Auch die Innenausstattung wurde wieder hergestellt. Ich kann den Termin für die Führung durch diese traumhafte Villa gar nicht mehr erwarten.

Villa Rezek. Foto Veronika Schöll
Villa Rezek. Foto Veronika Schöll

Ein Stück weiter vorne in der Wilbrandtgasse: Nummer 3 – Villa Scholl und Nummer 11- Haus Strauss, ebenfalls zwei traumhafte Häuer, die von den Architekten Oskar Wlach, Oskar Strnad und Josef Frank geplant wurden. Absolut sehenswert.

Windmühlhöhe Lagerwiese. Foto Veronika Schöll
Windmühlhöhe Lagerwiese. Foto Veronika Schöll

Ich reisse mich los, es geht über Lagerwiese auf der Windmühlhöhe aka Zwetschgenwiese hinunter zur Koschatgasse („mei Gossn“), diese bis zum Sonnleitensteig und den diritissima zur Krottenbachstraße zum 35A Haltestelle Glanzing.

Fußweg zur Haltestelle Glanzing, Foto Veronika Schöll
Fußweg zur Haltestelle Glanzing, Foto Veronika Schöll

Vielleicht fallen dir hier die kleinen britisch anmutenden Reihenhäuschen – die Siedlung Glanzing – auf. Sie entstand in den 20ern des letzten Jahrhunderts und wurde von einem Schüler Adolf Loos geplant und von den Siedler:innen selbst gebaut. In einem von diesen Häuschen bin ich aufgewachsen.

Man kann schon sagen, dass die prachtvolle Architektur der Cottage mein ästhetisches Empfinden nachhaltig geprägt hat.

Ich freu mich schon auf meine nächste Tour die über die Wienfilmgründe und übers Bellevue auf den Cobenzl führt. Und danke liebe Mama, dass du all diese Weglein im Kopf behältst und mit mir erwanderst.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   3:00 Std Wandern   250 HM   250 HM   9 km   GPX Track

4 Kommentare

  1. Vielen Dank für den tollen Beitrag – ausführlich und vielseitig. Den Weg werde ich bei nächster Gelegenheit nachgehen.

  2. Durch das Lesen von Veronika ‘s Bericht bin ich irgendwie in Wien.!
    Vielen Dank für diesen Spaziergang mit Geschichte.
    Steht nun auf meine to-do Liste😊.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert