Vom Groß- ins Kleinsölktal mit Stopp in der Karibik
Die Überschreitung der Seekarlscharte führt einen nicht nur vom Groß- ins Kleinsölktal, sondern ist an Abwechslungsreichtum fast nicht zu überbieten. Wasserfälle, Almen und Seen entlang des Weges verhindern, dass einem langweilig wird. Das Juwel der Wanderung erwartet einen jedoch erst, wenn man den höchsten Punkt der Tour schon überschritten hat. Nur so viel vorab: Urlaubsgefühle kommen da bestimmt auf!
Der Bus spuckt uns an der durch St. Nikolai führenden Bundesstraße aus. Wir durchqueren das Dorf, organisieren uns im kleinen Supermarkt noch Proviant und lassen bald die letzten Häuser zurück. Eine Forststraße führt uns in Richtung Bräualm, mal bergauf, mal bergab, aber insgesamt sanft ansteigend ins Tal hinein. Zu unserer Rechten gluckert der Bräualmbach. Dunkle Nadelbäume säumen unseren Weg. Hinter der Bräualm öffnet sich das Gelände und wir können einen ersten Blick auf unseren weiteren Weg werfen. Am Talschluss zieht sich der Bach als silberne Linie aus den Höhen herunter und zeigt uns den Weg zum Wasserfall.

Weil wir heute noch viel vorhaben, statten wir den herabstürzenden Wassermassen jedoch keinen Besuch ab, sondern überqueren eine kleine Holzbrücke und gelangen auf einen Pfad, der nun deutlich ansteilt. Immer wieder queren wir die Forststraße und gewinnen an Höhe. Ein Blick zurück ermöglicht einen Ausblick über das ganze Tal, bis uns der Nadelwald verschluckt. Wenig später erreichen wir das Almgebiet des Hohensees.

Einige Almhütten säumen das dunkle Wasser, schroffes Hochgebirgsland spiegelt sich in der glatten Oberfläche. Wäre es etwas wärmer, könnten wir hineinspringen, aber auch hier gilt unsere Devise: Der Weg ist noch weit.

Wir haben die Baumgrenze hinter uns gelassen, die Vegetation wird karger und die Umgebung steiniger. Unser Pfad führt uns unbeirrlich bergauf und die Gipfel kommen immer näher.

Der Schwarzensee auf 1.918 Metern Seehöhe liegt ebenso ruhig da wie der Hohensee. Von hier sind es noch 300 Höhenmeter bis zur Seekarlscharte.

Weil wir gut in der Zeit sind, machen wir von der Scharte aus noch einen Abstecher aufs Mittereck über felsige Wiesen. Von hier sieht man bis zum Hochgolling in den Niederen Tauern. Aber das Beste ist: Ab jetzt geht es nur noch bergab. Beim Abstieg erwartet uns noch ein besonderes Schmankerl. Als wir davor stehen, können wir unseren Augen kaum trauen. Sind wir plötzlich in der Karibik? Der Seekarlsee ist eigentlich bloß ein weiterer See. Im Gegensatz zum Hohensee ist dieser Wasserkörper aber kristallklar und türkishell.

Da werden natürlich die Handys gezückt und die unwirkliche Farbe eingefangen. Der weitere Abstieg führt uns über einen gut markierten Pfad hinunter zur Tuchmoaralm.

Es wird spürbar wärmer, nun befinden wir uns auch wieder zwischen Bäumen. Zum Schluss gelangen wir wieder auf eine Forststraße, die uns bis hinunter zur Bushaltestelle führt. Mit müden Beinen und einer wunderschönen Tour im Rucksack warten wir auf den Bus.



