Ein Spinnennetz zwischen Lämmerbach und der Gaißau
Lämmerbach und die Gaißau – zwei Talorte, die öffentlich gut/sehr gut erreichbar sind – laden zu Überschreitungen im Herzen der Osterhorngruppe ein. Schon einige der möglichen Varianten auf der Karte einzeichnet ergeben ein Spinnennetz, dessen Mittelpunkt die Bergalm ist. Hier beschreibe ich eine Wanderung über fünf Gipfel und versehe sie mit Hinweisen auf Varianten, denen nach Belieben „nachgegangen“ werden kann.

Mit Plan zum Berg – Personalisierte Fahrplanabfrage
Mit dem ersten Bus (Linie 155) geht es von Salzburg nach Faistenau.

Beim „Mechaniker Wörndl“, so heißt die Haltestelle, steige ich aus und gehe hinüber zum Steg C (Stg. C). Der kleine Bus steht schon dort und der Fahrer, mit dem ich ins Gespräch komme, sagt mir, dass der erste Bus an Wochentagen nicht von „Faistenau – Schule“ startet, sondern von hier, und dass er in der Schulzeit ev. früher fährt und man den Wunsch, mitzufahren, beim Chauffeur von Bus 155 kundtun soll, damit, falls es zu einer Verspätung kommen sollte, dieser Anschluss dennoch erreicht werden kann. Da hab ich also Glück gehabt…
Start in Lämmerbach
In Lämmerbach begrüßt mich das Dreigestirn (oder sind es Drillinge?) Gennerhorn-Gruberhorn-Regenspitz, das von vielen Seiten so auffällig-zusammengehörig anmutet. Kein Wunder, dass mich die Überschreitung aller drei Gipfel lockt!

Auf Asphalt geht es an der Wildbachverbauung vorbei und ein paar Schritte auf der Mautstraße bergan, bis die Hinweisschilder den Weg zur Genneralm weisen.


Obwohl diese auf der Straße erreichbar ist, wird ein Wanderweg gepflegt und so erreiche ich die freien Wiesen auf – teils steilen – Steigen (schon eine gute Einstimmung auf das Kommende!) und kann die Straße mal rechts, mal links liegen lassen. (1 – 1,5 Stunden).
Die schöne Gestalt des Gennerhorns hat mich schon mehrfach aufschauen lassen. Nun ist „der Genner“ das erste Ziel: zunächst folgt man dem Weg in den Gennersattel. Um den Einstieg in den Steig für die Ost-West- Überschreitung zu finden, bedarf es allerdings einiger Aufmerksamkeit: Wegweiser? Fehlanzeige!

Ich gehe auf der flachen Almwiese nach rechts (Norden) und bald sind Markierungen zu sehen. Der Steig ist gut zu finden aber teilweise schottrig und sehr steil.

Genner
Unter der unüberwindlichen, felsigen „Halskrause“ wendet er sich nach links (Süden), verlässt die wilde Ostseite des Genners und erreicht über sanftere Wiesen und Latschengassen den Gipfel. (ca. 1 Stunde).
Wie so oft in dieser Gegend halten mich schwärmende Ameisen von einer Gipfelrast ab.

Es geht gleich am sehr stark ausgetreten Westgrat hinunter in den Sattel. (Dieser Weg ist sozusagen der „Normalweg“, ist aber fast ebenso fordernd wie der Weg über die Ostseite.)

Gruberhorn und Regenspitz
Nun wartet der höchste Gipfel des Dreigestirns, das Gruberhorn. Auch er bietet einen steilen Aufstieg über die Ostseite, 45-60 Minuten. (Variante: kurz absteigen, dem Wegweiser „Schaflucke“ folgen und über den S-Grat zum Gipfel. Wer den Genner auslassen will, kann von der Genneralm gleich diese Route wählen und sich ca. 250 Höhenmeter ersparen.)
Die „Scheitelstreck“ für Lämmer-Gaiß ist der nun folgende Grat hinüber zum Regenspitz: auch diese Etappe ist alpin und wartet mit hohen Stufen und Tiefblicken auf – einfach fantastisch!


Eine runde ¾ Stunde später lässt sich am Gipfelbankerl verschnaufen und genießen. Wer bemerkt, dass die Kräfte schon im Schwinden sind, könnte von hier den Abstieg zur Feichtensteinalm und von dort nach Hintersee oder Lämmerbach erwägen.

Unsere Route führt aber hinunter auf die Bergalm mit ihren Einkehrmöglichkeiten, die viele Wochen lang Wanderer und Biker willkommen heißen.

Maximal-Variante Sattelköpfel
Die Maximal-Tour will das Bergköpfel und dann natürlich auch noch das Sattelköpfel ehren: diese kleinen Gipfel, beide mit Kreuz, lassen sich auf bezeichneten Steigen überschreiten, wobei der „Rosi-Berti-Steig“ über das Sattelköpfel mit seinen witzigen Tafeln besonders erwähnt werden soll; ca. 1,5 Stunden über beide Gipfel.



(Wer bei der Rast auf der Bergalm zur Erkenntnis gekommen sein sollte, dass drei besser ist als fünf, kann dies Gipfel für ein andermal [z.B.: von Hintersee auf die Bergalm, über Berg- und Sattelköpfel in die Gaißau] aufheben und über den Almweg zur Sattelalm und auf den Sattel wandern.)

Abstieg in die Gaißau
Für uns gilt es nun nur noch, den Weg in die Gaißau zu beschreiben: Die logische Linie: Der Weg zum Lasserbauer und weiter auf Asphalt nach Gaißau-Reitlehen, ca. 1 Stunde.
Für jene, die nicht genug von Ruhe, frischer Luft und der Freude an gehender Fortbewegung bekommen können wäre auch eine Erweiterung über die Zisterbergalm und ganz bis in den Ort Gaißau denkbar, wohl 1,5 Stunden.

Es macht Freude, Berge nicht nur „abzuhaken“ ( ✓ War ich schon oben!), sondern kennen zu lernen, sozusagen eine „Beziehung“ zu ihnen aufzubauen. Die variantenreichen Möglichkeiten dieser Überschreitung laden dazu ein: jeder Weg eröffnet andere Blicke, schenkt andere Blumenfreuden, Tierbegegnungen, Wasserspiele – und nimmt man die Jahreszeiten und Wetterlagen hinzu … fehlen nur mehr die persönlichen Stimmungsschwankungen und unterschiedlichen WegbegleiterInnen, und die Vielfalt wird unerschöpflich. Wie gesagt: Die „Scheitelstrecke“, die nicht vermieden/umgangen werden kann, ist alpin; trittsicher und schwindelfrei sollte man sein. Und für den Winter wählt man einfach von Hintersee den Aufstieg auf die Bergalm und wandert ohne schwindelerregende Tiefblicke, Schneeschuhe an den Füßen, entspannt über verschneiten Almen in die Gaißau.
Obwohl Hintersee-Lämmerbach noch besser erreichbar ist als Gaißau Reitlehen (oder Gaißau Lasserbauer, eine Destination des Tennengau-Shuttle; dieses kann Montag bis Sonntag zwischen 06:00 und 21:00 Uhr telefonisch unter +43 662 265500 gebucht werden) gehe ich lieber vom Schwierigen/Hohen zum Niederen/Leichten. Aber vielleicht hat es jemand gerne, sich von Hallein zum Lasserbauer bringen zu lässt und zu weiß: Das dicke Ende/der krönende Abschluss kommt noch!



