Versteckte Schönheiten auch ohne Gipfelsieg: Von Forchtenstein nach Lanzenkirchen

Schöner Wald II. Foto: Sarah Pallauf

Das Burgenland mag ja nicht so bekannt für Wanderungen sein. Aber irgendwas Schönes gibt’s immer! Leider ist es auch öffitechnisch nicht so einfach, im Burgenland Strecke zu machen – viele Buslinien wurden in den letzten Jahren stark zusammengekürzt und es fühlt sich an, als würde man bei deren Planung eigentlich nur mehr Schüler:innen und Pendler:innen am Schirm haben. Wenn ein Bus um 6 Uhr fährt und dann noch einer um 16 Uhr, dann bringt mir das als Öffi-Freizeitsportlerin leider herzlich wenig.

Öffi-Hoffnungsschimmer im Burgenland: BAST sei Dank!

Doch es gibt auch einen Hoffnungsschimmer: das BAST! Ein fast schon unglaubliches Sammeltaxi-System, das das gesamte Bundesland erfasst und ausgezeichnet funktioniert. So flexibel, dass man es kaum glauben kann. Ich manifestiere hier: Dem BAST widme ich einmal einen Blogartikel auf Bahn zum Berg. Denn jetzt geht’s doch um meine Öffi-Tour aus dem Burgenland.

Mein Startort ist aus familiären Gründen pragmatisch: Das hübsche Forchtenstein. Starthaltestelle ist „Forchtenstein Gemeindeamt“. Dorthin kommt man eben mit dem Regionalbus (ab und zu!) von Mattersburg (Anschluss zum Zug nach Wiener Neustadt) oder Wiesen-Sigless (selbe Bahnstrecke). Wenn der Bus gerade nicht fährt, kann man sich vom BAST zur eben dieser Haltestelle bringen lassen. Mit dem Klimaticket übrigens kostenlos. Ohne Klimaticket zahlt man den „normalen“ Verbundpreis, also ebenso viel wie ein Busticket. Das nenne ich mal fair!

Große Omaaugen und ein vages Ziel

Witzige Anekdote noch zu Beginn meiner Tourenbeschreibung: Meine Oma fragt mich, wie ich denn jetzt nach Wien komme. „Ach, ich wandere mal los“, meine ich und binde mir schon fast die Schuhe zu. „Ja, aber wohin gehst du jetzt?“, fragt sie, schon leicht irritiert. „Ich glaub, mal nach Bad Erlach.“, ich so.Jessas! Das ist aber weit! Da brauchst aber länger als eine Stunde!“ Keine Sorge, liebe Omi, ich hab mindestens vier eingeplant. So werde ich mit großen Oma-Augen verabschiedet. Kicher.

Herbst oder Winter? Unklar, aber bunt! Foto: Sarah Pallauf
Herbst oder Winter? Unklar, aber bunt! Foto: Sarah Pallauf

Dorfsterben: Auch hier.

Ich schlendere durch den wirklich sehr, sehr, sehr ruhigen Ort. Leider ist auch in Forchtenstein das Dorfsterben angekommen – viel Infrastruktur gibt’s nicht mehr. Der Fleischer ist noch da, und die Apotheke, ebenso eine Bank. Schon für den Supermarkt braucht man eigentlich ein Auto. Es ist ein Trauerspiel.

Ruhiges Forchtenstein. Foto: Sarah Pallauf
Ruhiges Forchtenstein. Foto: Sarah Pallauf

Dafür hat vor nicht allzu langer Zeit ein nettes Kaffeehaus „Café Dorfleben“ aufgemacht – geöffnet immer am Dienstag, Donnerstag und Sonntag. Die Cremeschnitten und Kuchen sind ein Gedicht und die Portionen ungefähr dreimal so groß wie in Wien, beim halben Preis zu dortigen Kuchen. Startet also eure Wanderung mit einem Kuchen dort!

Erste Möglichkeiten. Foto: Sarah Pallauf
Erste Möglichkeiten. Foto: Sarah Pallauf

Privatissimum auf der Burg Forchtenstein

Beeindruckend ist von Anfang an der Blick hoch zur Burg Forchtenstein, die über dem Ort thront und auch mein erstes Zwischenziel sein wird.

Zwischenziel im Blick. Foto: Sarah Pallauf
Zwischenziel im Blick. Foto: Sarah Pallauf

In der Schlossbergstraße steche ich in den Wald und mache somit meine ersten Höhenmeter zur Burg. Oben angekommen erinnere ich mich an die NÖ-Card und siehe da, eine Burgführung ist mit der Karte kostenlos. Da es ein schöner Wintertag ist und ich keine Eile habe, entscheide ich mich kurzerhand dafür. Der Witz kommt eine halbe Stunde später – am Drehkreuz zur Burg stehe ich alleine, ich bekomme also eine Privatführung. Die Burg ist beeindruckend und spannend, auch wenn bei der Wintertour einige Räumlichkeiten ausgelassen werden!

Meet Esterhazy! Foto: Sarah Pallauf
Meet Esterhazy! Foto: Sarah Pallauf

Mein Guide ist nett und gesprächig und wir überziehen über 20 Minuten, bis er von den Kolleg:innen zur Mittagspause abkommandiert wird und ich mich mit einem „Ich wollte ja eigentlich noch wandern gehen.“ auf den Weg mache.

Sonne und ich strahlen um die Wette. Foto: Sarah Pallauf
Sonne und ich strahlen um die Wette. Foto: Sarah Pallauf

Einsam im Wald

Die Reserlgasse führt mich weiter bergan, und würde mich zur höchsten Erhebung hier in der Gegend, der Rosalia – und damit auch einem schönen Aussichtspunkt – bringen.

Blick zurück zur Burg. Foto: Sarah Pallauf
Blick zurück zur Burg. Foto: Sarah Pallauf

Da ich aber ein bisschen Strecke machen will und die Rosalia ohnehin kenne, biege ich bei Kohlstatt ab und schlängle mich über Forststraßen und Waldwege bis hin zum Rosalia-Rundwanderweg.

Abzweigung Kohlstatt. Foto: Sarah Pallauf
Abzweigung Kohlstatt. Foto: Sarah Pallauf

 Der Aussichtsturm Wiesen-Lanzenkirchen liegt damit auch nicht mehr auf meiner Route – auch dieser ist aber richtig schön und bietet einen großartigen Blick auf Schneeberg und Rax auf der einen und den Neusiedlersee auf der anderen Seite.

Es ist ein strahlend sonniger Tag, aber eben auch noch Winter – der sich seltsamerweise wie ein Herbst anfühlt (buntes Laub und so).

Schöner Wald I. Foto: Sarah Pallauf
Schöner Wald I. Foto: Sarah Pallauf

Und es ist ein Dienstag, insofern bin ich in dieser eh schon sehr ruhigen Gegend des Landes wirklich komplett allein unterwegs. Ich mag es, auch solch einsame Touren zu machen. So hänge ich meinen Gedanken nach, plane im Kopf Unterrichtsstunden und freue mich einfach über das Draußensein, das mir meine Bahn-zum-Berg-Touren immer wieder möglich machen.

Schöner Wald II. Foto: Sarah Pallauf
Schöner Wald II. Foto: Sarah Pallauf

Doch nicht Bad Erlach?

Einige Wegweiser zeigen verschiedene Möglichkeiten auf – mein Ursprungsplan war es, nach Bad Erlach zu gehen, aber irgendwie bin ich stur, und folge nicht dem entsprechenden Wegweiser, sondern zeichne meine eigene Route. Irgendwann wird mir klar, dass ich auf diese Weise nicht Bad Erlach erreichen werde und disponiere um: Möge es Ofenbach und dann Lanzenkirchen sein! Hauptsache: Ein Bahnhof.

(In diesem Moment muss ich auch an einen coolen Wandershirt-Spruch denken: „Du gehst zu deinem Auto zurück. Ich gehe, wohin ich will.“ 😊)

Bad Erlach ohne Badeanzug – eh fad! Foto: Sarah Pallauf
Bad Erlach ohne Badeanzug – eh fad! Foto: Sarah Pallauf

Nach den Forststraßen durch den Winterwald komme ich in Ofenbach auf kleine Landstraßen – immer wieder mit kleinen Schönheiten wie dieser Kapelle unterwegs. Auch hier ist es sehr, sehr ruhig.

Kapellenschönheit in Ofenbach. Foto: Sarah Pallauf
Kapellenschönheit in Ofenbach. Foto: Sarah Pallauf

Ofenbach ist klein und liegt schnell hinter mir, ich bleibe auf der Straße und gehe flugs auf Lanzenkirchen zu.

Auf Lanzenkirchen zu. Foto: Sarah Pallauf
Auf Lanzenkirchen zu. Foto: Sarah Pallauf

12 Kilometer liegen bereits hinter mir und als ich die Leitha überquere, muss ich mich ein letztes Mal entscheiden: Bad Erlach, ja oder nein? Der Wegweiser sagt noch mehr als 1,5 Stunden. Das ist mir gerade einfach zu weit – wegen der ausführlichen Burgführung in Forchtenstein neigt sich der Tag schon langsam seinem Ende zu.

Über die Leitha. Foto: Sarah Pallauf
Über die Leitha. Foto: Sarah Pallauf

So streune ich nur mehr über den Lanzenkirchner Hauptplatz und gönne mir als Belohnung und für die lokale Wertschöpfung im Restaurant Adrienn einen kleinen Snack. Von dort führt mich ein kleiner Fußweg an den Gleisen entlang in circa 10 Minuten direkt zum Bahnhof.

Die letzten Meter. Foto: Sarah Pallauf
Die letzten Meter. Foto: Sarah Pallauf
Auch eher ruhig. Foto: Sarah Pallauf
Auch eher ruhig. Foto: Sarah Pallauf

Fazit

Das Burgenland und somit auch diese Tour kommen ohne große Gipfelsiege oder spektakuläre Aussichtspunkte aus.

Ich mochte die Wanderung trotzdem und es gibt viel Feines unterwegs – allen voran das Café in Forchtenstein, die beeindruckend gut erhaltene Burg, auf der sich eine Besichtigung wirklich lohnt. Zudem winkt am Ende eine Einkehrmöglichkeit (oder eigentlich mehrere) in Lanzenkirchen, was die mögliche Wartezeit auf den Zug ja immer versüßt und verkürzt.

Schwupps – wieder nach Hause. Foto: Sarah Pallauf
Schwupps – wieder nach Hause. Foto: Sarah Pallauf

Außerdem finde ich es immer eine feine Abwechslung, so ganz neue und vielleicht auch wandertechnisch nicht so bekannt Gegenden kennenzulernen und zu erschließen.

Wer noch ein paar schöne Ausblicke mitnehmen möchte, adaptiert meinen Track ein wenig – die Rosalia und der Aussichtsturm Wiesen-Lanzenkirchen lassen sich problemlos hinzufügen.

Schöner Wald III. Foto: Sarah Pallauf
Schöner Wald III. Foto: Sarah Pallauf

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   4:00 Std Wandern   300 HM   350 HM   13 km   GPX Track

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