Vorbemerkung
Meine Motivation diesen Tourenbericht zu schreiben ist zweierlei:
Erstens habe ich den Eindruck, wenn man sich die Erlebnis-Tourenberichte bei BzB so durchschaut, dass Touren zumeist ohne gröbere Zwischenfälle und Vorkommnisse zu funktionieren scheinen und wie am Schnürchen ablaufen. Insofern stellen die Touren möglicherweise eher eine gefilterte Auswahl als eine realitätsnahe Wiedergabe dessen, was sich wirklich so auf Österreichs Bergen abspielt: Vom Abkommen vom richtigen Weg und Verirren bis hin zu (Ab)Stürzen, Verletzungen und Todesfällen (jedes Jahr um die 300 Tote in Österreichs Bergen). Ein viel wahrscheinlicherer Fall ist aber, ein Ziel zu haben und unterwegs abzubrechen und umzudrehen bzw. den ursprünglichen Plan abzuändern. Bloß: Eine solche Tour kann nicht als vollständig gesehen werden und wird daher zumeist nicht veröffentlicht. Wahrscheinlich spielt da der versagte Stolz oder aufkeimende Scham auch eine Rolle. Mir einerlei – gerade deshalb, weil ich meine Tour nicht vervollständigen konnte, veröffentliche ich sie hier.
Zweitens habe ich allzu oft den Eindruck, bei den Voraussetzungen für Touren gehe es überwiegend um konditionelle Fitness, weshalb Längen- und Höhenmeterangaben als wesentliche Angaben ins Zentrum gerückt werden. Die Schwierigkeitsangabe – auch jene hier am BzB-Tourenportal – ist dagegen schon wesentlich unklarer: Worauf bezieht sie sich, was fließt in sie ein, was wird gegebenenfalls wie gewichtet? Warum fallen mitunter sehr unterschiedlich schwierig wahrgenommene Touren in die gleiche Kategorie? Meinen Erfahrungen nach nehme ich die Blau-Rot-Schwarz-Differenzierung nur noch als sehr vagen Hinweis und selbst die SAC-Wanderskala bzw. die auf der Karte mit dieser Skala angegebene Schwierigkeitsgrad genieße ich mit gebotener Vorsicht. Warum, zeigt das vorliegende Beispiel.
Meist werden neben den konditionellen Voraussetzungen auch die technischen Anforderungen in solche Wertungen miteinbezogen. Vernachlässigt werden immer wieder jedoch Ausgesetztheit und Absturzgefahr, auf die klassisch mit den Anforderungen der Trittsicherheit und Schwindelfreiheit hingewiesen wird, die aber bei den hiesigen Tourenberichten nicht immer erwähnt werden. Für Menschen mit Höhenangst sind derartige Angaben allerdings zentral. Freilich: Die subjektive Wahrnehmung einer objektiven Geländebegebenheit kann erheblich unterschiedlich ausfallen. Und trotzdem, der rationale Kern der Höhenangst besteht darin auf reale Absturzgefahren hinzuweisen, auch wenn dies im Panikmodus irrational überformt wird.
Kommentar der Redaktion: Wir bestimmen die Schwierigkeitsgrade anhand der SAC-Skala (in AVAktiv implementiert) und der subjektiven Meinung des Autors. Dass in diesem Fall die objektive Quelle falsche Informationen liefert, haben wir tatsächlich übersehen. Falls euch solche Unstimmigkeiten auffallen, teilt diese gerne in der Kommentarfunktion oder schickt ein Mail an redaktion@bahn-zum-berg.at.
Salzaklamm
Mein ursprünglicher Plan war, vom Zentrum von Mariazell auf die Sauwand zu wandern und zur Bushaltestelle Fallenstein Stromminger abzusteigen.


Ich steige beim Busbahnhof in Mariazell aus, durchquere das Zentrum mit seiner berühmten Basilika Richtung Rasing. An einer Abzweigung wird mir die Salzaklamm angeboten (Weg Nr. 12), die ich leider gar nicht am Schirm hatte. Spontan entscheide ich mich durch die Klamm zu gehen und stelle bald fest, dass es sich absolut lohnt.



Der Weg führt direkt am Ufer entlang, teilweise etwas erhöht. Es gibt ein paar Seilversicherungen; nicht alle empfinde ich als notwendig, zumindest bei einer bin ich aber froh, dass sie angelegt wurde, da man auf laubigem Boden schon einmal ausrutschen kann. Die Klamm besticht zwar nicht durch tosende Wasserfälle und waghalsige Steigkonstruktionen, aber eine schöne Flusslandschaft und ist immerhin kostenfrei zugänglich. Wollte ich zuerst die Klamm wieder retour gehen um meinen usprünglichen Weg fortzusetzen, entscheide ich mich nun nach dem Ende der Klamm (Einkehrmöglichkeit Gasthaus „Zur Weinperle“) ein Stück dem 05/06er Weg zu folgen und dann Richtung Sauwand abzuzweigen.




Ohne Sauwand
Der Weg Richtung Sauwand verläuft über eine unspektakuläre und nach und nach ermüdende Forststraße nach Zickzack-Schema. Nun erst sehe ich die Sauwand auf einem Schild angeschrieben, in Folge aber mehrmals. Der markierte Weg biegt recht weit oben erst linkerhand den Wald hinauf ab und an dessen Ende gelangt man zur Alpenrosehütte.





Hinter der Hütte beginnt der eigentliche Weg zum Sauwand-Gipfel am Bergrücken. Ich bin zuerst unsicher, wie er verläuft, stelle aber fest, dass bereits der Beginn bzw. Zustieg ernsthaft direkt an der Kante der Wand ansetzt. Diese durchaus als ausgesetzt zu charakterisierende Stelle, bei der ein Ausrutscher böse, weil potenziell tödliche Folgen haben kann, entmutigt mich in Zusammenspiel mit dem zuletzt stark aufgefrischten Wind. Da ich nicht darüber hinweg gestiegen bin, kann ich nicht beurteilen, wie der Weg nachher weitergeht, aber es sieht danach aus, dass er sich oft recht knapp an der Kante bewegt. Unverständlicherweise ist der gesamte Teil auf der Karte als T1 (!) ausgewiesen und auf den Wegtafeln kein Hinweis angebracht, auch im Tourenbericht meines Kollegen Martin Winter finde ich keine genaueren Informationen darüber. Anderswo werden solche Stellen tendenziell als T3 und mitunter auch als „schwarz“ (schwer) ausgewiesen.


Auf Bergfex findet sich jedoch ein Tourenbericht, den ich leider erst nachher genau angesehen habe, in dem der Autor konstatiert, dass „Der Abstieg am markierten beschilderten meist steilen Steig, am Rand der Felswände der Sauwand, (einmal etwas ausgesetzt) bis etwas oberhalb der Alpenrosenhütte […] speziell bei Schlechtwetter mit Vorsicht zu begehen [ist]“.
Hier findet sich auch der Hinweis auf einen alternativen, leichter erscheinenden Aufstieg zur Sauwand, den der Autor über eine benachbarte Forststraße vorgenommen hat und für den ich wahrscheinlich noch einmal wiederkommen werde.



Ich beschließe, bei der Hütte meine Mittagspause zu machen und anschließend zur Bushaltestelle abzusteigen. Der Weg 437 Richtung Jausenstation Eibelbauer führt über den Bergrücken teilweise etwas steiler hinunter durch den Wald, sodass ich froh bin meine Wanderstöcke dabeizuhaben, ist aber gut markiert und machbar. Ab dem Eibelbauer geht es auf sehr einfacher Straße hinunter zur Bushaltestelle, zu der man direkt vorm Gasthaus Stromminger quert.




