Mache ich mich am Hanselsteig zum Hansel?

Karnitschstüberl. Foto: Lisa Nussdorfer

Ende September 2025: Der Wetterbericht ist durchwachsen und ich beschließe nicht zu weit weg zu fahren. Von Wien aus bietet sich die Hohe Wand dafür vortrefflich an: gute Verbindungen, unzählige Steige in allen Schwierigkeitsgraden, kulinarische Angebote und unendliche Möglichkeiten die Route zu variieren.

In einem Wanderführer finde ich eine Wanderung auf den Hanselsteig mit 2 Stunden beschrieben. Eine schwarze Tour für die bergsteigerische Erfahrung notwendig ist.

Nach etwas Recherche dazu packe ich zur Sicherheit noch das Klettersteigset ein. Ungeübten wird es empfohlen, wobei man den Umgang damit schon geübt haben sollte, sonst bringt es nicht viel.

Ich verlasse die Wohnung um 8 Uhr und fahre mal zum Hauptbahnhof. Während der kurzen Fahrt dorthin schaue ich erst nach wie man genau nach Stollhof kommt. Wie praktisch, dass der R98 vom Hauptbahnhof wegfährt. Da die Zeit zum Umsteigen kurz ist, verzichte ich auf das Ritual des Frühstück-Kaufens und steige gleich ein. Dass der Zug in Wiener Neustadt geteilt wird, wird mehrere Male durchgesagt und spätestens dort ist genügend Zeit in die richtige Garnitur nämlich nach Puchberg zu wechseln. Heute ist nicht viel los im Zug. Ob’s am Wetter oder am Schienenersatzverkehr ab Bad Fischau liegt? Das Umsteigen in Winzendorf in den Bus 336 Richtung Markt Piesting klappt jedenfalls ohne Probleme und um 10:25 starte ich bei der Haltestelle Stollhof Kapelle mit der Wanderung.

Kapelle Stollhof. Foto: Lisa Nussdorfer
Kapelle Stollhof. Foto: Lisa Nussdorfer

Hinter der Kapelle des Hl. Sebastian beginnt der Kapellenweg, der bald zu einem Schotterweg durch ein Waldstück wird. An der nächsten Kreuzung geht es nach links und vorbei an der Reyerkapelle, vorbei am Festplatz und auf einem Forstweg weiter in den Wald hinein vorbei an der Hubertuskapelle. Der Weg zum Hanselsteig ist im Prinzip rot markiert. Den Steig selbst sehe ich nicht angeschrieben und ich schaue einige Male auf die Offline-Karte um mich bei den vielen Kreuzungen im Wald nicht zu verlaufen. Bei einer Bank ziehe ich das Klettersteigset an, denn ich will das nicht erst beim Einstieg machen müssen. Der Zustieg beginnt steiler zu werden, aber es gibt noch nichts um sich zu sichern und ich komme mir mit der ganzen Ausrüstung etwas deplatziert vor.

Der steile Zustieg durch den Wald. Foto: Lisa Nussdorfer
Der steile Zustieg durch den Wald. Foto: Lisa Nussdorfer

Am Wandfuß zeugen die vielen Bemmerl davon, dass sich hier auch die Steinböcke gerne aufhalten. Bald kommt die erste seilversicherte Passage.

Am Wandfuß. Foto: Lisa Nussdorfer
Am Wandfuß. Foto: Lisa Nussdorfer

Ein bisschen Kraxeln und über die speckige Rampe und schon ist man in der Felsnische namens Karnitschstüberl. Ich setze mich ein wenig aufs Bankerl, wundere mich über die tiefe Grube an der Wand und blättere im Steigbuch. Obwohl es erst vom November 2024 ist, ist es schon voll. Der Steig dürfte gut besucht werden, nur heute bin ich wohl alleine hier.

Karnitschstüberl. Foto: Lisa Nussdorfer
Karnitschstüberl. Foto: Lisa Nussdorfer
Das Loch. Foto: Lisa Nussdorfer
Das Loch. Foto: Lisa Nussdorfer
Brücke. Foto: Lisa Nussdorfer
Brücke. Foto: Lisa Nussdorfer

Die nächsten Meter Felsband schauen auch ganz passabel versichert und auch einfach aus. Nach der Kurve muss man über eine kurze Holzbrücke und nach der nächsten Kurve wartet der Hanselkamin.

Hanselkamin. Foto: Lisa Nussdorfer
Hanselkamin. Foto: Lisa Nussdorfer

 Man kraxelt über Klammern, Leiter und Stifte hoch und dann kommt die schräge Leiter. Die Neigung ist wirklich unangenehm und mit vollem Körpereinsatz hieve ich mich hoch bis zum luftigen Ausstieg. Hier bin ich über das Klettersteigset nun doch froh, weil ich nicht ganz schwindelfrei bin.

Blick zurück auf die schräge Leiter. Foto: Lisa Nussdorfer
Blick zurück auf die schräge Leiter. Foto: Lisa Nussdorfer

Ein paar Meter geht es noch steil nach oben. Auf dem folgenden Absatz kann man schon erkennen, dass es nicht mehr weit sein kann. Eine stabile Holzbrücke wartet noch und ein letzter steiler Hang mit Wurzeln und Steinen und dann ist es geschafft.

Noch ein Stück bergauf. Foto: Lisa Nussdorfer
Noch ein Stück bergauf. Foto: Lisa Nussdorfer

Ich raste ausgiebig auf der Bank und überlege wie es weitergeht.

Hanselsteig, rot markiert – schaut von hier ganz harmlos aus. Foto: Lisa Nussdorfer
Hanselsteig, rot markiert – schaut von hier ganz harmlos aus. Foto: Lisa Nussdorfer

Der Hunger treibt mich zum Herrgottschnitzerhaus. Leider werde ich enttäuscht. Es ist geschlossen und steht zum Verkauf. Auf einem Aussichtsbankerl esse ich den Rest meiner Jause, die Sonne scheint und ich will noch ein wenig wandern. Ich orientiere mich an den Schildern nach Markt Piesting, muss vor der Einhornhöhle wieder über eine Leiter, diesmal nicht senkrecht.

Leiter bei der Einhornhöhle. Foto: Lisa Nussdorfer
Leiter bei der Einhornhöhle. Foto: Lisa Nussdorfer

Ich verzichte auf ihren Besuch um beim Zitherwirt bzw. Bushaltestelle Dreistetten Ruine Starhemberg den Bus zu erwischen, den ich aber knapp verpasse. Na gut. Gehe ich eben zu Fuß nach Markt Piesting und auf ein Eis. Der R97 fährt im Stundentakt nach Wiener Neustadt, wo ich in einen CJX nach Wien umsteige. Ein kurzes Nickerchen und schon bin ich um 16 Uhr wieder am Hauptbahnhof.

Fazit: Für mich war das Klettersteigset genau richtig und ich habe mich damit nicht zum Hansel gemacht.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   3:30 Std Wandern   400 HM   525 HM   10 km   GPX Track

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert