Eine Skitour für (fast) alle Fälle und Felle.
Auf der „Sunnseit’n“ ist das Leben nicht immer besser – die knapp 2.000 Meter hohe Frauenalpe ist ein exzellentes Beispiel dafür. Der Hausberg der obersteirischen Bezirkshauptstadt Murau bietet durch das ehemalige Skigebiet mit seiner nordseitigen Ausrichtung günstige Skitouren-Voraussetzungen auch bei nicht allzu üppigen Schneeverhältnissen. Freilich: einsam wird man auf dieser Tour nicht sein.


Anreise mit der Murtalbahn
Murau liegt ungefähr in der Streckenmitte der 1894 eröffneten Murtalbahn, die (heutzutage) zwischen dem steirischen Unzmarkt und Tamsweg im Lungau verkehrt. Uns bringen an diesem Tag Ende Jänner die Lokführerin und die Schaffnerin herzlich und souverän in knapp 40 Minuten mit dieser wunderbaren Schmalspurbahn in die schöne Stadt an der Mur.


Kurzer Spaziergang zum Einstieg und der Pisten-Aufstieg
Die Ski zunächst tragend gehen wir vom Bahnhof Murau nach links (Westen), überqueren die Bahntrasse und folgen zuerst der Landesstraße gut 100 Meter nach oben. Dann halten wir uns rechts und folgen dem Schlattingweg. Beim Grünfelsweg zweigen wir rechts ab, und schließlich ist (nach knapp 10 Minuten vom Bahnhof) bei einer Bachbrücke mit Schranken der Einstieg der Skitourenroute erreicht – los geht’s nun auf den befellten Brettln. Es geht die Wiese aufwärts, nach knapp 150 Metern kommen wir bei einem Parkplatz vorbei und dann geht es auch schon die ehemalige Skipiste hinauf. Bis 2017 waren hier auf der Frauenalpe die Skilifte in Betrieb, präpariert wird die Piste aber nach wie vor, und zwar vom Wirt der Murauer Hütte. Wir sind angesichts der eher mageren Schneeverhältnisse im weiten Umkreis angenehm überrascht, dass es hier von Beginn an tadellos auf einer passablen Schneedecke dahin geht. Auf wechselnder Steigung spazieren wir hinauf, der Schnee wird mehr, auch die Sonnenstrahlen – und somit die Freude.


Als wir allmählich die Baumgrenze passieren und Richtung Gipfelplateau kommen, macht sich der Niederschlag von vor zwei Tagen in seiner freudebringendsten Form bemerkbar – eine 5 bis 10 cm hohe Pulverauflage, wie sie feiner im Buche nicht stehen könnte.

Nach den teilweise ordentlichen Steigungen auf der Piste ist es noch dazu wohltuend, bei gemächlicheren Neigungen Richtung Gipfel zu marschieren. Und nach gut 2 ½ Stunden sind wir ganz oben angelangt auf der Frauenalpe.

Gipfelfreuden
Alleine sind wir natürlich nicht am Gipfel, sondern etwa 20 andere auch, aber Platz ist ja genug. Besonders markant ist an diesem Tag das Nebelmeer unter uns: ganz Kärnten scheint bis auf die Bergspitzen unter einer dichten Nebelsuppe begraben zu sein. Das Gipfelpanorama auf der Frauenalpe ist recht eindrücklich: auf der Nordhälfte unzählige Gipfel der Niederen Tauern, nach Osten sind der Zirbitzkogel und die Saualpe jeweils von ihrer Längsseite her zu sehen, im Westen sind z.B. die Hochalmspitze und der Hafner markant. Spannend auch der Blick zu den Karawanken und zum höchsten Berg Sloweniens, dem Triglav.
Nicht zuletzt weil kein Wind bläst und es selbst ohne Daunenjacke ausgezeichnet auszuhalten ist, verweilen wir ausgiebig am Gipfel. Was für eine Wohltat!



Abfahrt mit Zwischenstopp
Nach unserer herrlichen Gipfelrast machen wir uns an die Abfahrt. Am Gipfelplateau gibt es überraschend weite Bereiche, in denen man genussreich über den frischen Pulverschnee gleiten kann. Dann geht es die Piste hinunter, wobei etwas abseits auch hier immer wieder feine Pulverabschnitte dabei sind. Wir halten uns dabei an die östlichere der Abfahrtspisten.



Auf gut 1.500 Metern befindet sich die gleichnamige Hütte der Murauer ÖAV-Sektion. Da ist es natürlich aufgelegt, auch hier eine kurze Rast einzulegen. Das entsprechende Bier auf der entsprechenden Hütte oberhalb der entsprechenden Stadt – Murau3 (hoch 3) in Vollendung. Neben uns sitzt ein sympathischer Obersteirer, mit dem wir ausgiebig ins Reden kommen. Er hat das interessante und sehr ambitionierte Ziel, sämtliche 2.000er der Steiermark zu besteigen. Und ist dabei schon sehr weit gekommen: das noch fehlende Zehntel wird er wohl auch bald geschafft haben.


Nach dieser erbaulichen Stärkung und Unterhaltung machen wir uns an die Abfahrt ins Tal. Flott geht es die Piste hinunter und dann sind wir rund 5 ½ Stunden nach Abmarsch wieder am Ausgangspunkt.

In Murau selbst ließen sich dann durchaus noch ein paar angenehme Stunden verbringen. Nicht zuletzt angesichts der winterlichen Materialschlacht beschränken wir uns auf den Souvenir-Einkauf bei der Brauerei (die auch gute Limonaden herstellt).

Für die Rückfahrt nehmen wir die näher am westlichen Teil der Altstadt liegende Bahnhaltestelle Murau St. Leonhard. Das von der Hinfahrt bestens bewährte Lokführerin/Schaffnerin-Duo bringt uns sodann wieder pünktlich zurück nach Unzmarkt.
Fazit
Eine feine, relativ schneemangel- und lawinenresiliente Skitour mit Eisenbahnanschluss, Hütteneinkehr und interessantem Panorama. Die Frauenalpe ist zwar auch im Winter beliebt, aber bei entsprechendem vorangegangenem Schneefall kann hier sogar durchaus feiner Pulverschnee genossen werden.
Wie es auf der Frauenalpe im Sommer so ist, kann man übrigens im Bericht von Veronika nachlesen.




Exzellenter Bericht, bravo und danke!
Danke, Peter! 🙂
Ich muss Peter Recht geben … toller Bericht! Die Frauenalpe ist auch im Winter sehr attraktiv 🙂