Dachstein Superferrata: Auf Eisenwegen durch eine der markantesten Wände Österreichs

Tiefblicke im Erzherzog-Johann-Klettersteig. Foto: Volkhard Maier

Wer sich an die Dachstein Superferrata wagt, stellt sich einer der schwersten und längsten Klettersteigtouren der Ostalpen. Die Kombination aus drei Klettersteigen (maximale Schwierigkeit D/E) führt einen durch die Südwand des Hohen Dachsteins bis auf beinahe 3.000 Meter. Mit genug Erfahrung im hochalpinen Gelände und Ausdauer wird man nicht nur mit dem höchsten Gipfel der Steiermark belohnt, sondern auch mit einem Rundumblick, der Seinesgleichen sucht.

Fast 2.000 Höhenmeter, Drahtseile, Gletscher und ein legendärer Gipfel. Die Zutaten für diese Tour können nur in einem Tag enden, der einem ewig in Erinnerung bleibt. Die gewaltige Südwand des Hohen Dachstein ist auch aus weiter Ferne unverkennbar und lässt Klettererherzen höher schlagen. Steht man einmal an der Bushaltestelle bei der Talstation der Seilbahn, wirft es einen fast um: über 1.000 Höhenmeter ragt die Wand steil in die Höhe und mündet im höchsten Berg der Steiermark. Neben unzähligen Kletterrouten führt aber auch ein Klettersteig durch die gewaltigen Südwandabbrüche des Dachsteins und diesen haben wir uns für heute vorgenommen.

Am Weg zur Südwandhütte lässt man die unbeholfenen Touristen, die mit der Seilbahn in Windeseile zum Gletscherrestaurant hinaufkutschiert werden, schnell zurück.

Die Wegweiser hinter der Südwandhütte; im Hintergrund die Südwand des Hohen Dachsteins. Foto: Volkhard Maier
Die Wegweiser hinter der Südwandhütte; im Hintergrund die Südwand des Hohen Dachsteins. Foto: Volkhard Maier

So bald man hinter der Hütte den Pernersteig Richtung “Tor – Sulzenhals – Bachlalm” betritt, begegnet man schließlich nur noch Bergsteiger:innen. Besonders an Tagen mit schönem Wetter ist man hier keinesfalls allein: Die Superferrata zieht ehrgeizige Klettersteiggeher:innen von Nah und Fern.

Man quert unterhalb der Südwand nach Westen über Schotter- und (je nach Jahreszeit) Schneefelder, bis man zum Einstieg des Anna-Klettersteiges gelangt. Wahrscheinlich hört man spätestens hier das charakteristische Schnarren von Karabinern über die Stahlseile, die sich richtungsweisend über die Felsen nach oben ziehen. Im Anna-Klettersteig sind 300 Höhenmeter zu überwinden, die größte Schwierigkeit (D) erwartet einen im letzten Viertel. Dieser Abschnitt der Superferrata ist angenehm zum Aufwärmen, denn im Laufe der Superferrata wird es noch eine Spur schwieriger. Die größte Gefahr geht von den vielen anderen Klettersteiggeher:innen aus, die sich hier tummeln und für Staus sorgen. Wenn man – wie wir – noch viel vor hat, empfiehlt es sich daher, früh zu starten, um unter den ersten des Tages bei den Stahlseilen zu sein.

Zwischen Anna- und Erzherzog-Johann-Klettersteig, dem zweiten Klettersteig der Superferrata, befindet sich einerseits eine Abstiegsmöglichkeit zurück zur Südwandhütte und andererseits regelmäßig ein steiles Schneefeld, das auch Steigeisen und Pickel verlangen kann. Diese Ausrüstung sollte man allerdings für den Gletscher oben am Dachsteinplateau sowieso dabei haben. Auch mit dem Topo sollte man sich im besten Fall schon am Vortag vertraut gemacht haben.

Der Erzherzog-Johann-Klettersteig selbst stellt schließlich das klettertechnische Highlight der Tour dar. Ein äußerst steiler Einstieg soll vermutlich zaghafte Alpinist:innen abschrecken, denn so schwer wie auf den ersten fünf Metern ist es auf den nächsten 600 Höhenmetern nicht mehr.

Aber lang ist der Klettersteig, mit schier unendlichen Seilen und atemberaubenden Tiefblicken. Steile Wandstellen wechseln sich mit Bändern zum Verschnaufen ab und Stück für Stück schiebt man sich am Stahlseil entlang in die Höhe.

Tiefblicke im Erzherzog-Johann-Klettersteig. Foto: Volkhard Maier
Tiefblicke im Erzherzog-Johann-Klettersteig. Foto: Volkhard Maier
Steile Passagen führen einen in Richtung Plateau. Foto: Volkhard Maier
Steile Passagen führen einen in Richtung Plateau. Foto: Volkhard Maier

Gerade wenn man meint, das Karabiner-Weiterhängen wird nie wieder aufhören, zwinkert einem die Silhouette der Seethalerhütte zu und man erreicht das Plateau.

Die (alte) Seethalerhütte und der Gipfelaufbau des Hohen Dachsteins. Inzwischen wurde die Seethalerhütte modernisiert. Foto: Volkhard Maier
Die (alte) Seethalerhütte und der Gipfelaufbau des Hohen Dachsteins. Inzwischen wurde die Seethalerhütte modernisiert. Foto: Volkhard Maier

Auf der Terrasse der Hütte gilt es nun, sich auszuruhen, den Weitblick über den kläglichen Gletscherrest und beinahe ganz Oberösterreich zu genießen und sich für den letzten Teil der Superferrata auszuruhen.

Über Eis und Schnee erreicht man nach wenigen hundert Metern die Schulter. Hier beginnt der Schultersteig, der zwar am höchsten gelegen, aber dafür der kürzeste und leichteste Anstieg der drei Klettersteige ist.

Auf der Schulter des Hohen Dachsteins. Ganz klein sind einige Menschen im Klettersteig erkennbar. Foto: Volkhard Maier
Auf der Schulter des Hohen Dachsteins. Ganz klein sind einige Menschen im Klettersteig erkennbar. Foto: Volkhard Maier

Spätestens hier wird man im Stau stecken bleiben, denn jene Bergsteiger:innen, die den Seilbahnzustieg gewählt haben, tummeln sich üblicherweise in Massen am Gipfelaufbau des Hohen Dachsteins. Vorsicht ist auch bei der Randkluft geboten, die regelmäßig verhindert, dass man in den Schultersteig überhaupt einsteigen kann; im Notfall muss auf den Normalweg ausgewichen werden. Nach 1.600 Höhenmetern und auf fast 3.000 Metern sind die Beine inzwischen schwer geworden. Da hilft glücklicherweise der Ausblick über Hohe und Niedere Tauern, auf den mittlerweile kleinen, aber dennoch beeindruckenden Hallstätter Gletscher und die Verheißung auf das nahende Gipfelkreuz. Die letzten Meter teilt sich der Schultersteig mit dem Normalweg, was noch einmal mehr Verkehr bedeutet, aber dann ist es geschafft. Der Mitterspitz blickt stumm herüber und wir stehen endlich am Gipfel.

Über den Normalweg geht es wieder hinunter und über den Gletscher (Vorsicht Spalten!) zur Seilbahn.

Abstieg über den Normalweg. Foto: Volkhard Maier
Abstieg über den Normalweg. Foto: Volkhard Maier

Wer tapfer ist, lässt die Gondel rechts liegen und steigt über den Huhnerschartenklettersteig (B) ab, aber wir entscheiden uns für die einfachere Variante. Im Sommer ist jedoch reservieren ein Muss. Das geht ganz unkompliziert über die Website der Bergbahnen. Mit schweren Beinen schweben wir federleicht hinunter und sind – fast zu schnell – wieder bei der Talstation der Seilbahn bzw. bei der Bushaltestelle. Beim Blick zurück stockt in Anbetracht der mächtigen Südwand immer noch der Atem. Aber nun ist auch ein bisschen Stolz dabei, weil wir diese aus eigener Kraft durchklettert haben.

Tourdaten

Die Route in Zahlen:   9:00 Std Klettersteig   1.500 HM   1.500 HM   11 km   GPX Track

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